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Geschichte der Nylons

Mit Nylon und Perlon verbinden sich Träume von Schönheit und Erotik, Fortschritt und Wohlstand, aber auch von Macht und Politik. Die Erfindung dieser Synthesefaser in den USA und Deutschland macht es erstmals möglich, Kleidung aus künstlichen Materialien herzustellen. Die Fasern aus der Retorte werden auch in Deutschland auch zu einem Massenprodukt, schreiben Wirtschafts- und Kulturgeschichte.


In den dreißiger Jahren werden in den USA und in Deutschland Polyamide erfunden und unter dem Namen "Nylon" bzw. "Perlon" produziert. Der amerikanische Chemiekonzern DuPont, der das neue Produkt 1939 auf der New Yorker Weltausstellung vorstellt, verspricht die Erfüllung des alten Menschheitstraums, unabhängig von der Natur in ausreichender Menge Kleidung herstellen zu können. Die schönen, neuen Nylonstrümpfe werden in den USA mit Begeisterung gekauft. Im nationalsozialistischen Deutschland dient Perlon der Autarkiepolitik und Kriegsführung.DuPont hatte viel Geld in die Entwicklung der Nylons gesteckt und musste dann feststellen, das IG Farben zeitgleich dasselbe Produkt entwickelte.

Mit dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft 1945 ist der Untergang des Perlon- Produzenten IG-Farben verbunden. Die Siegermächte lösen den Konzern auf. Führende Funktionäre der IG-Farben müssen sich vor einem amerikanischen Militärgericht in Nürnberg verantworten. Perlon-Fabriken werden demontiert. Nylon-Strümpfe aus den USA beginnen ihren Siegeszug und werden auf dem Schwarzmarkt zur Ersatzwährung.

In den fünfziger und sechziger Jahren erleben Produktion und Absatz von Nylon und Perlon in Westdeutschland enorme Steigerungsraten. Modische Kleidung aus preiswerten Synthesefasern - Strümpfe, Damenoberbekleidung, Hemden und Miederwaren - wird für breite Bevölkerungsgruppen erschwinglich und zu einem wichtigen Teil der Lebenswelt. Modeschauen, Zeitschriften und Mißwahlen zeugen von einer Modebegeisterung. Nylon und Perlon werden zum Mythos und Kennzeichen einer Epoche. Kein Filmstar, der nicht die wunderschönen Nylons mit der unverwechselbaren Naht und der verstärkten Ferse trug. Heute wird dieses Objekt unserer Begierde von Ars Vivendi vertrieben, so das Mann (Frau) nicht auf das wunderbare Tragegefühl dieses einzigartigen Produktes verzichten muss.

Die Teilung Deutschlands hat auch Auswirkungen auf die Perlon - Produktion. In Ostdeutschland werden Perlon-Fabriken zu "Volkseigenen Betrieben". Die DDR trennt sich 1959 vom gesamtdeutschen Markennamen Perlon und gibt der Faser den Namen DeDeRon. Film, Literatur, Bildende Kunst und Theater feiern den Retortenstoff als Beleg für die Überlegenheit des Sozialismus über den Kapitalismus. Doch die Propaganda kann die Unfähigkeit des planwirtschaftlichen Systems, bedarfsgerecht zu produzieren, nicht verdecken.

Stagnation und Rückgang kennzeichnen die Produktion von Nylon und Perlon seit den siebziger Jahren.

War es in den 50ziger und 60ziger Jahren noch selbstverständlich, das Frau Nylonstrümpfe bzw. Strumpfhosen trug, so geht der Trend heute leider zu Socken, ich höre sogar oft von Freunden und Lesern dieser Seite, das Männer, die eine Faszination für Strümpfe und Strumpfhosen empfinden , bei Ihren Partnerinnen auf Unverständnis oder gar Ablehnung stossen.




Quelle: Haus der Geschichte

 


 


Alex

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